„[…] Längst hat sich das World Wide Web als Realmetapher für eine Art kollektives Bewusstsein (samt Unbewusstem) etabliert. In diesem riesigen, gigantisch vermüllten Speicherraum geht trotz Unübersichtlichkeit und Kommerzialisierung weiterhin kaum etwas verloren, das meiste ist mit wenigen Klicks erreichbar; und doch muss man es erst einmal finden. Vor diesem Hintergrund erscheint Lotz‘ Vorgehen wie eine zeitgenössische Variante der Märchensammlungen der Brüder Grimm oder der Volkslyrikprojekte von Clemens Brentano und Achim von Arnim; wie in Des Knaben Wunderhorn werden ausgewählte anonym überlieferte Texte in den Kontext der Literatur gerückt. Da finden sich ergreifende Prosaminiaturen: ,Ich entdecke meinen Mann auf einem Stuhl im Schrank sitzend. Ich frage ihn, was er dort macht, und er antwortet mir nicht.‘ […]“
Aus meinem Text zu Wolfram Lotz‘ Träume in Europa im neuen volltext–Heft.