Text über Elke Erb in volltext 1/26

„[…] So kann Erb Klartext zu Stasi und SED reden: ,Ach, das war scheiße mit der Partei, es gab immer Skandal mit ihr, immerzu Ärger.‘ ,Wir hatten ja keine Illusionen mehr, damals in der DDR.‘ Und zugleich gängige Kategorisierungen beklagen, wie schon in ihrem Vorwort zur 1984 gemeinsam mit Sascha Anderson bei Kiepenheuer & Witsch herausgegebenen DDR-Anthologie Berührung ist nur eine Randerscheinung, wo sie ,von dem so erfolglosen wie hartnäckigen Versuch, die DDR mit Schlagworten einzufangen‘ schreibt: ,Der Grund des Scheiterns ist nicht die Fremdheit zwischen den beiden deutschen Staaten, sondern eine Art von Unwirklichkeitsstil, zu welchem die deutsche Geschichte erzogen hat.‘ Im Gespräch mit Rothenberger formuliert sie es über dreißig Jahre später so: ,Wir haben damals insgesamt ein Defizit gehabt an Leben. Die Westdeutschen haben das wahrscheinlich auch gehabt, aber nicht so gemerkt.‘ Im literarischen Schreiben findet sie allerdings Möglichkeiten, den komplexen Dimensionen von Weltwahrnehmung und Erfahrung gerecht zu werden: ,In Wirklichkeit bin ich da ja völlig realistisch. Wohingegen die, die behaupten, sie schreiben realistisch, nur brutal vereinfachen.‘ […]“

Meine Rezension des Bands Tanzende Ordnungslust, in dem Manfred Rothenberger seine Gespräche mit Elke Erb dokumentiert, ist im neuen Volltext-Heft erschienen.